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«SPANNUNGSFELD» | Kunst und Bau | Kompetenzzentrum Beratung Arenenberg | Neubau: Staufer & Hasler Architekten | 8500 Frauenfeld

Den Erwartungen und Forderungen der Konsumenten nach «authentischer» Landwirtschaft steht den Produzenten der marktwirtschaftliche Druck nach Rentabilität gegenüber.
Ein «Kunst und Bau Projekt» von Max Bottini · Projektbeginn 11. März 2015

Einleitung > Das Bildungs- und Beratungszentrum (BBZ) Arenenberg in Salenstein ist eine Institution, welche die Aus- und Weiterbildung sowie die Beratung in der Landwirtschaft wahrnimmt. Das neu geschaffene Kompetenzzentrum ist ein Bestandteil davon.

Die Beratungsteams erbringen Dienstleistungen und Informationen zu allen Tätigkeitsbereichen der Thurgauer Landwirtschaft wie etwa Produktionstechnik, Pflanzenbau und Nutztierhaltung, Unternehmensführung, Energie und Landtechnik, Biolandbau, Agrotourismus und Direktvermarktung sowie Hauswirtschaft und Familie. Schwerpunkte werden in den Bereichen Milchviehhaltung und Futterbau, Obstbau sowie Gemüse- und Beerenbau gesetzt.

Gedanken zur Arbeit > In einem ersten Schritt versuche ich die momentane Befindlichkeit der Schweizer Landwirtschaft zu skizzieren, um dann den Vorschlag für die «Kunst und Bau-Arbeit» zu erörtern. Die folgenden Überlegungen dienen mir als gedankliches Fundament für die Arbeit.

Die schweizerische Landwirtschaft bewegt sich als Produzentin von Lebens- und Nahrungsmitteln in einem Spannungsfeld: Den Erwartungen und Forderungen der Konsumenten nach «authentischer» Landwirtschaft steht den Produzenten der marktwirtschaftliche Druck nach Rentabilität gegenüber. Die polaren Auffassungen zwischen Produzenten und Konsumenten sollen an dieser Stelle, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, dargelegt werden.

Produzent > Rentabel arbeiten heisst, in erster Linie die Produktepalette einschränken. Nur Produkte, die am Markt erfolgreich sind, versprechen Gewinn. Dafür muss in eine rationellere Bewirtschaftung investiert werden. Es gilt, eine schlanke, hochtechnisierte Infrastruktur zu schaffen, um Produktions- und Lohnkosten so tief als möglich zu halten.
Ein weiteres Problem stellt sich der schweizerischen Landwirtschaft durch die Öffnung der Weltmärkte. Die günstigeren Importprodukte stehen im Hochpreisland Schweiz in Konkurrenz zu den vergleichbar teureren Inlandprodukten. Dadurch steigt der Preisdruck enorm.
Erschwerend hinzu kommt der zunehmende administrative Aufwand, bedingt durch die stetig wachsende Zahl von Reglementierungen, Verordnungen und Gesetzen. Dies schränkt den Spielraum und die Freiheit, innovative Ideen umzusetzen, wesentlich ein.


Konsument > Der Konsument erwartet eine ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft. Der Lebensraum für Mensch und Tier soll zugunsten einer hohen Lebensqualität bewahrt bleiben. Die Ansprüche sind vielfältig und oft unrealistisch. Der Bauer müsste im überzeichneten Sinne sein: Landschaftsgärtner (Landschaftskünstler), Botaniker, Biologe, Zoologe, Tierparkwärter, Detailhändler, Tourismusmanager, Ästhet, Designer, Unternehmer, Verwalter, Chemiker, (Landmaschinen-) Mechaniker, Techniker und ähnliches mehr.
Mangelnde Informationen sowie eine fehlende Nähe zur modernen Landwirtschaft und deren Wertschöpfungskette vergrössern die Kluft zwischen Produzenten und Konsumenten zunehmend. Die Werbung trägt in hohem Masse dazu bei. Sie projiziert weiterhin das Bild einer althergebrachten, heilen und idyllischen Landwirtschaft. Es besteht darum sachlicher Erklärungsbedarf, wie Landwirtschaft heute funktioniert.


Idee und Umsetzungsvorschlag > Auf der Wiese vor dem Eingang zum Kompetenzzentrum wird auf der:
• Westseite eine Reihe mit insgesamt vier sortenverschiedenen Apfel-Niederstämmen gepflanzt. Sie stehen als Metapher für eine (hoch-)technologisierte Landwirtschaft (Produzenten). Die Aussage wird verstärkt durch die Installation einer Hagelschutzvorrichtung sowie dem Ansäen und Pflegen eines Rasens (Schnitt ca. 10-12mal jährlich).
• Ostseite ein Apfel-Hochstamm auf einer artenreichen Blumenwiese (Schnitt zweimal jährlich) als Symbol für eine «idyllische» Auffassung der Landwirtschaft (Konsument) gepflanzt. Die Apfelsorte entspricht einer Sorte der vier Niederstämme.
Auf den Hochstamm werden zum geeigneten Zeitpunkt zusätzlich zur vorhandenen Sorte drei Sorten aufgezweit, welche auch bei den Niederstammsorten vorhanden sind. Dieses Vorgehen ermöglicht Sortengleichheit an beiden Kulturen.
Tragen die beiden Kulturen Früchte, lädt die Ernte zu einem sensorischen Vergleich (Degustation) ein. Für die Degustanten besteht die Möglichkeit, ihre subjektiven Eindrücke (Geschmack, Geruch, Optik) der einen oder anderen Kultur zuzuordnen. Hintergründig geht es um ein augenzwinkerndes Wertungsspiel, welches jedoch dazu beitragen kann, allfällige Vorurteile zu überprüfen: Schmecken Hochstammfrüchte besser als deren sortengleiche «Niederstammpartner»?
Ich schlage vor, einen periodisch wiederkehrenden (Degustations-) Anlass zu gestalten, bei dem das BBZ Arenenberg gleichzeitig die Gelegenheit wahrnimmt, auf Anliegen und Problemfelder der heutigen Landwirtschaft aufmerksam zu machen.

Dokumentation des Projektes
Das Projekt wird mit drei Informationstafeln vor Ort während der nächsten fünf Jahre in Wort und Bild dokumentiert:
Informationstafel 1
Pflanzen und Schnitte der Niederstämme sowie des Hochstammes. Ansaat der Wiesen.

Informationstafel 2
Das Zweien der Niederstammsorten auf den Hochstamm wird von März bis Mai 2017 erfolgen.
Diese Tafel wird die Technik des Zweiens ausführlich dokumentieren.
Erscheinungsdatum: Ende Juni 2017

Informationstafel 3
Die aufgezweiten Sorten sind angewachsen und tragen erste Erträge.
Diese Tafel wird Erntepraktiken, Apfelsorten und deren Vermarktung dokumentieren.
Erscheinungsdatum: Ende Dezember 2020

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Ansicht der Installation «Spannungsfeld» | 6. Mai 2015