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Vom 5. März bis 28. Mai 2022 verwandelt sich die ehemalige Mosterei in Neukirch Egnach in eine einzigartige Kulturbühne. Initiantin ist der Verein «Kerngehäuse», der das Projekt «Tankkeller» lanciert hat, dessen Absicht es ist, die Region und darüber hinaus mit Musik, Tanz, Literatur, Performances, Installationen, Kunst und Kulinarik zu beleben.

Elf Kunstschaffende sind eingeladen worden die Räumlichkeiten im Untergeschoss der Mosterei zu bespielen: Malerduo Bošković-Scarth, Urs Burger, Co Gründler, Andy Guhl, Susanne Hefti, Jan Kaeser, Simone Kappeler, Stefan Philippi, Olga Titus und Andrea Vogel.

Im Zuckerraum des Tankkellers erwartet die Besucher:innen ein kleiner Garten Eden, der sie mit dem christlich-abendländischen Mythos des Apfels der Erkenntnis konfrontiert. Was wenn…? Wäre die Welt eine andere?

Vernissage: Samstag, 5. März 2022 um 17 Uhr

Ort: Ehemalige Mosterei Egnach, Bahnhofstrasse 4, 9322 Egnach

Projekt-Website: tankkeller.ch mit umfassenden Infos zum Projekt , sowie zu Akteuren und Programm

Faltprospekt zum Projekt

Bericht von der Vernissage: thurgaukultur.ch | Judith Schuck | 7. März 2022

Wäre die Welt eine andere?
Apfelbaum / mixed media

Die Installation spielt auf Lucas Cranachs Gemälde «Adam und Eva» an, das der Künstler 1526 malte. Adam und Eva leben unschuldig im Paradies. Der Teufel in Gestalt einer Schlange verführt Eva die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis zu kosten. Der Sündenfall tritt ein und als Folge davon werden Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben.

Der Apfel steht stellvertretend für den Sündenfall, der als Erbschuld den Nachkommen des paradiesischen Paars weitergegeben wird. Es ist die Geburtsstunde der christlichen Moral, die zwischen Gut und Böse unterscheidet. Der Apfel (lat. Malus) steht dabei sinnbildlich für das Böse, das Übel, das Schlechte.

Pikantes Detail: Die Zuweisung der Hauptschuld am Sündenfall an Eva ist ein immer wieder aufgegriffenes Thema der Kunst. Der Sündenfall markiert den Ausgangspunkt der Herrschaft des Mannes über die Frau. Eva wird zur Gegenfigur der jungfräulichen Maria und zum Ursprung allen Elends der Menschheitsgeschichte.

Die Besucher:innen werden aufgefordert einen Apfel zu pflücken. Sie müssen keine Bedenken haben, denn der nunmehr stummen Schlange sind die verführerischen Künste abhandengekommen. Der Sündenfall wird ausbleiben. Zurück in paradiesischen Verhältnissen und frei von jeglicher Moral drängt sich jedoch die ketzerische Frage auf: «Wäre die Welt tatsächlich eine andere geworden?».

Max Bottini, März 2022